London & Content Strategie – Was wir von den Briten lernen können

By Thursday, August 18, 2016

Wenn es um neue Entwicklungen im Medienbereich geht, blickt man oft in die USA oder nach Großbritannien. Mitte Mai war ich mit dem Master-Studiengang “Content Strategie” der FH Joanneum im Rahmen einer Studienwoche in London. Am Programm standen unter anderem ein Besuch bei Facebook und Mozilla, der Agentur DigitasLBI, beim Government Digital Service (GDS), welche die E-Government-Webseite GOV.UK betreibt und bei der Jamie Oliver Media Group. 

In den vergangen drei Monaten habe ich öfters an die intensive Woche in London zurückdenken müssen, und möchte nun mit etwas Abstand kurz zusammenfassen, was bei mir am stärksten “hängen” geblieben ist:

Experimentierfreudigkeit & schnelles Umsetzen 

TelegraphMel HambarsoomianUX Designer bei der Telegraph Media Group, erzählte uns bei einem Vortrag, wie die Tradition-Tageszeitung ihr zehn Jahre altes Content Management System (CMS) im Jahr 2015 innerhalb von neun Monaten komplett umgekrempelt hat. Vor dem Redesign dauerte es beispielsweise 27 Minuten und 58 Schritte um eine simple Agenturmeldung inklusive Bild sowie Grafik auf der Telegraph-Webseite online zu stellen, mit dem neuen CMS nun nur mehr vier Minuten und 12 Schritte. Die Entwickler und UX-Designer versuchten die Journalisten so stark wie möglich in die Produktentwicklung einzubinden, beschrieb uns Hambarsoomian den Arbeitsablauf. Es sei bei dem neuem Redaktionssystem darum gegangen, die Arbeitsabläufe der Journalisten zu erleichtern. Mehr Infos zur Entwicklung des Telegraph-CMS finden sich in einem sehr guten Artikel des Nieman Journalism Lab der Harvard Universität. 

Arbeiten in agilen Teams & der User steht im Mittelpunkt 

Government_as_a_plattform_GDS

Ob in London beim Telegraph, Facebook, DigitasLBI  oder GDS, die digitalen Projekte werden in kleinen Team in Angriff genommen. Meist sind ein User Experience-Designer (UX), Projektmanager, Entwickler und Content Stratege oder Content Designer mit an Bord.Das Governmental Digital Service macht etwa Eyetracking-Studien und Interviews mit Nutzern, um die Webseite zu optimieren und die Visa-, Führerschein- oder Steueranträge so userfreundlich wie möglich zu gestalten. Bei allen Organisationen, die wir besuchten, standen die Bedürfnisse der Nutzer im Mittelpunkt der digitalen Überlegungen. 

Mein Studiengangsleiter Heinz Wittenbrink bringt dies in seinem London-Blogpost gut auf den Punkt:

“Mich hat in allen diesen Fällen vor allem die Konsequenz, die Entschlossenheit beeindruckt, mit der vorgegangen und experimentiert wird. Alle diese Firmen und Organisationen gehen bewusst und sehr schnell neue Wege, und wissen, dass sie dabei Forschungsarbeit leisten.”

 

Be consistent_GDS

 

Metrics_GDS

 

 

Auch mal einen Schnellschuss wagen und vielleicht Scheitern 

Bei keiner der Organisationen, bei denen wir zu Gast waren, habe ich eine Skepsis gespürt, ein Projekt könnte sich als Art “Rohrkrepierer” erweisen und werde daher nicht umgesetzt. Vielleicht setzen die Briten wirklich mehr auf Trial-and-Error als die eher vorsichtigen Österreicher. Im Büro von Facebook hängte an der Wand ein bezeichnender Spruch:  

If you do nothing_Facebook

 

Mein Studienkollege Paul hat in einem Blogpost seine “Take Aways” aus London kurz zusammengefasst und die notwendigen Kompetenzen von Content Strategen gut aufgelistet. “Sich in die Bedürfnisse der User einfühlen können”, erscheint mir als einer der wichtigsten Punkte, die er anführt. In London hatte ich das Gefühl, dass die Usability und der Content von Webseiten wirklich im Hinblick auf die Nutzer getestet wird. “Welche Kompetenzen hast du aus der Studienwoche mitgenommen bzw. welche Kompetenzen glaubst du sind noch wichtig?”, fragt Paul in seinem Beitrag. Ich möchte aus der London-Woche die Kompetenz mitnehmen, mich mehr auf neue Dinge einzulassen, auch wenn sie vielleicht einmal nicht erfolgreich sein werden. Der Spruch im Facebook-Büro “If you do nothing, nothing will happen”, passt da gut dazu.