Warum GIFs wichtiger Content sind (und wie man sie selbst macht)

By Wednesday, August 17, 2016

Wer sich mit mir online unterhält, muss sich auf zwei Dinge einstellen: Lange Pausen, bevor man eine Antwort erhält, und eine wahre Flut an GIFs. Nichts sagt besser „Ich gehe jetzt schlafen“ als ein müder Mops, der sitzend nach vorne kippt. Und auch wenn ich hunderte Kilometer entfernt in einer anderen Zeitzone sitze und es einem Freund in Österreich schlecht geht, kann ich ihn mit dem richtigen David-Hasselhoff-GIF aufmuntern.

Szene aus den Simpsons mit GIFs auf dem Bildschirm

Die Simpsons haben bereits vor einigen Jahren GIFs als veraltet verspottet – und sich geirrt

Dabei geht es nicht nur mir so. In fast allen Bereichen im Internet sind die animierten Bilder wieder zu finden, die einst als ein Relikt des Web 1.0 galten. Seien es nun Journalisten, die mithilfe von GIFs komplexe Sachverhalte erklären oder animierte Infografiken in ihre Artikel einbetten, Unternehmen, die mit kreativen GIFs in E-Mails werben, oder Social-Media-Plattformen wie Twitter, Tinder und Facebook, die mittlerweile allesamt eine eigene GIF-Suche integriert haben.

Animiertes Bild von Emoji

Wer bei all den verfügbaren Emojis den Überblick behält, hat meinen Respekt

Dass GIFs trotz ihres stolzen Alters – das Graphics Interchange Format gibt es immerhin schon seit 29 Jahren – nach wie vor an jeder Ecke des Internets zu finden sind, hat gute Gründe. Die animierten Grafiken sind eine einfache Möglichkeit, das aktuelle Befinden oder eine Reaktion auszudrücken, denn oftmals reicht auch der mittlerweile 1085 Einträge (nach Unicode 9.0) umfassende Emoji-Katalog nicht aus. Wie die Emojis sind GIFs universell verständlich und erfordern meist kein Vorwissen – ich warte bereits sehnsüchtig auf den Tag, an dem Gespräche ausschließlich über GIFs geführt werden. Nicht, dass ich es nicht oft genug versuchen würde.

Google für GIFs

Doch der wohl wichtigste Grund für das GIF-Revival ist, dass es endlich eine vernünftige Suche gibt. In bestimmten Kreisen, unter anderem auf Reddit und 4chan, war es jahrelang üblich, sogenannte “Reaction GIFs” zu sammeln. In oft mehreren Gigabyte großen Ordnern lagerten einige Nutzer auf ihren Festplatten tausende, fein sortierte GIFs, die für bestimmte Situationen herausgeholt wurden. Doch für Otto Normalverbraucher war das zu viel Arbeit. Diese Arbeit nimmt uns seit knapp drei Jahren das Start-up Giphy ab, das als Suchmaschine für GIFs fungiert und mittlerweile 300 Millionen US-Dollar wert sein soll.

So praktisch Tools wie das GIF Keyboard und Giphy auch sein mögen (nicht zu vergessen die aktiven Communities auf Reddit, die immer wieder neue Inhalte produzieren), hin und wieder komme auch ich in die Situation, dass ich kein passendes GIF finde. Die perfekten Bilder sind bereits in meinem Kopf, doch aus unerfindlichen Gründen gibt es diese noch nicht in animierter Form online. Was tun? Selbst aktiv werden. Ich zeige euch kurz anhand meiner Lieblings-Tools, wie man schnell und einfach Reaction-GIFs erstellen kann – damit ihr unter keinen Umständen in eine GIF-lose Situation geratet.

So braut ihr die besten GIFs

Mein bevorzugtes Werkzeug ist das Programm GIF Brewery, das erst vor wenigen Monaten in einer neuen Version erschienen ist. Die einzigen beiden Wermutstropfen: GIF Brewery ist derzeit nur für OS X erhältlich und kostenpflichtig. Die knapp 5 US-Dollar Kaufpreis sind allerdings gut investiert, einen ähnlich guten GIF-Editor gibt es nicht und glaubt mir: Ich habe viele davon ausprobiert und lange gelitten.

Screenshot von GIF Brewery 3

So sieht die Benutzeroberfläche von GIF Brewery 3 aus

Am Anfang jedes GIFs steht ein Video. Theoretisch können zwar auch Einzelbilder als GIFs animiert werden, doch wer unbedingt Banner-Werbung aus dem Jahr 1998 oder Cartoons als GIF erstellen will, ist mit Photoshop besser bedient. Wie ihr das Video dreht, bleibt euch überlassen: Sei es Webcam, Smartphone oder irgendein anderes Gerät mit Kamera, solange es bewegte Bilder aufnehmen kann, sollte alles in Ordnung sein. Hauptsache Video.

Das Video muss nicht perfekt sein – lediglich die als GIF gewünschte Sequenz sollte enthalten sein. Unerwünschte Teile am Anfang und Ende lassen sich mithilfe von GIF Brewery leicht entfernen. Unglücklicherweise zeigt GIF Brewery stets das Video in Originalgröße an, Verkleinern ist nicht möglich. Da ihr aber wohl ohnedies kein Full-HD-GIF erstellen wollt – das Laden würde wohl ewig dauern – solltet ihr euch zuerst für eine GIF-Größe entscheiden.

Das Fine-tuning

Je nach Verwendungszweck, Länge und Format rate ich zur Faustregel: So groß wie notwendig, aber auch so klein wie möglich. Das liegt am Format von GIFs, die im Grunde genommen nur eine Abfolge von komprimierten Bildern sind. Wenn ein GIF aus 30 Einzelbildern besteht, die jeweils 100 Kilobyte groß sind, müsst ihr mit einem drei Megabyte großen GIF rechnen. Das muss auch in den Einstellungen bedacht werden. Hier gibt es zwei Methoden: Die simple Methode extrahiert eine definierte Zahl von Bildern, egal wie lange der Ausschnitt in Sekunden ist. Die zweite Methode extrahiert eine bestimmte Zahl von Bildern pro Sekunde. Mit der letzten Methode seid ihr auf der sicheren Seite, denn so könnt ihr sicher sein, dass das GIF mit zumindest 18 Bildern pro Sekunde wiedergegeben wird – ab diesem Wert nimmt das menschliche Auge Aufnahmen als flüssig wahr.

Screenshot der Einstellungen bei GIF Brewery

Das Einstellungsmenü von GIF Brewery 3

Nun gilt es, den richtigen Ausschnitt zu finden. Dazu müssen die Schieberegler für Start und Ende an die gewünschte Stelle verschoben werden. Mit den Pfeiltasten kann man auch Bild für Bild den perfekten Punkt suchen. Bereits jetzt kann man per Klick auf „Create GIF“ eine Vorschau des GIFs sehen – die Dateigröße dürfte aber gigantisch sein. Um das Datenvolumen von Smartphone-Nutzern zu schonen, machen wir uns also an das Optimieren der Qualität. Denn neben der Zahl der Bilder muss meist auch der Farbraum reduziert werden. Hier müsst ihr selbst ausprobieren, wie stark ihr die Farbdarstellung reduzieren wollt. Meist ergeben sich jedoch erst vernünftige Ergebnisse (GIFs unter einem Megabyte) mit 32 oder weniger Farben. Welchen Algorithmus man letztendlich für die Komprimierung wählt, ist euch ebenfalls selbst überlassen, die Ergebnisse hängen hier vom Bildinhalt ab. Üblicherweise habe ich jedoch mit Sierra die besten Ergebnisse erzielt, das kleinere GIFs mit deutlich weniger Rauschen produziert hat.

Mann sieht skeptisch drein

Das funktioniert? Ja, wirklich

Per Klick auf “Create GIF”, das links oben zu finden ist, könnt ihr nun euer fertiges GIF erstellen lassen. Das kann, je nach GIF und Leistung des Macs, auch mehrere Minuten dauern. Das Endergebnis kann auf Wunsch auch mit einem Wasserzeichen, Logo oder anderen Overlays und leichten Effekten versehen werden. Diese sind jedoch meist nicht erforderlich. Ebenfalls praktisch: Es können direkt über die App Videos vom Bildschirminhalt angefertigt werden. Das ist derzeit wohl der beste Weg, um hochwertige GIFs von YouTube-Videos zu erstellen, da die meisten Online-Tools automatisch den YouTube-GIFs ein Wasserzeichen verpassen. Auch Demos von Software-Funktionen lassen sich so relativ einfach erstellen. Zahlreiche Start-ups nutzen bereits GIFs statt Videos. Ebenfalls praktisch hierfür sind RecordIt (auch für Windows) und Giphy Capture (vorerst nur macOS). 

GIF, das Mann beim Ohrenwackeln zeigt

Ja, ich kann mit den Ohren wackeln – hier ist der GIF-Beweis

Wer übrigens einfach nur Spaß mit GIFs haben möchte und zumindest eine Webcam besitzt, kann mit AndThenIWasLike viel Zeit verschwenden. Wie bei einem Fotoautomaten hat man nach dem Klick auf Start drei Sekunden Zeit, um sich in Position zu bringen, dann werden drei Sekunden Video aufgezeichnet und in ein GIF verwandelt. Der Nutzer kann das GIF zwar zuschneiden, die Geschwindigkeit bestimmen und sogar die Loop-Richtung verändern, sonstige Funktionen sind aber Mangelware. Es reicht aber, um mich regelmäßig von der Arbeit oder vom Schreiben von Blogbeiträgen abzulenken.

Übrigens: Falls sich jemand fragt, wie man GIF richtig ausspricht, hier meine Meinung dazu: GIF auf Deutsch, JIFF auf Englisch. Keine Gewähr auf Richtigkeit – diese Debatte wird wohl noch unsere Kindeskinder beschäftigen.